Bedrohen facebook und Twitter das klassische Forum?

Bedrohen facebook und twitter die Forumkultur?

Sind Sie Forenbetreiber oder leidenschaftlicher Forenschreiber? Dann fragen Sie sich vielleicht, ob das Forum auch in Zukunft noch Bestand haben wird. Diese Frage ist durchaus berechtigt. Denn mittlerweile haben sich andere Entwicklungen im Bereich Social Media fest etabliert. Facebook und Twitter werden von einem Großteil der Menschen weltweit genutzt, wobei Facebook die führende Rolle übernimmt. Es verbindet Menschen weltweit und kann dabei sogar über Sprachhindernisse hinweghelfen. Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die ein Forum bieten kann, aber Facebook und Twitter nicht. Die folgende Übersicht soll Fakten auflisten, die für und gegen den Fortbestand der Foren sprechen:

1. Ein Forum ist anonym

Der große Vorteil eines Forums ist seine Anonymität. Während es die Richtlinien von Facebook klar vorsehen, dass jeder Nutzer mit seinem realen Namen angemeldet sein muss, kann sich in einem Forum jeder so nennen, wie er es gerne möchte. Bei Twitter sieht es bezüglich der Klarnamenpflicht etwas anders aus. Auch hier gibt es keine Richtlinie zur Namenswahl in diesem Zusammenhang. Allerdings ist bei Twitter dann auch keine so ausführliche Kommunikation wie in einem Forum möglich, da die Zeichenanzahl der einzelnen Tweets stark beschränkt ist.

2. Mehrfachaccounts in Foren

Foren erlauben es grundsätzlich, mehrere Accounts anzulegen, die auf unterschiedliche Benutzernamen laufen dürfen. Facebook hingegen sieht es nicht gerne, was wiederum auch mit der Pflicht zum Klarnamen zusammenhängt. Wer Forennutzer ist, ist also deutlich freier, mit welcher Identität er auftreten möchte. Für den Einzelnen ist das ein Vorteil. Für die anderen Teilnehmer allerdings nicht unbedingt. Foren bergen zahlreiche Forentrolle – vor allem, wenn sie groß und beliebt sind. Dabei handelt es sich häufig um User, die das Forum schon länger kennen und nutzen und aus bestimmten Gründen Unfrieden stiften wollen. Zwar ist das auch in anderen sozialen Netzwerken möglich, bleibt in Foren aber weit häufiger frei von Sanktionen.

3. Foren ohne Anmeldepflicht

Auch, wenn es in den meisten Foren eine Pflicht zur Registrierung gibt, gibt es nach wie vor welche, die ohne Registrierung und Login auskommen. Diese sind bei ihren Nutzern sehr beliebt. Allerdings verlangt ein solches Forum auch erhöhten Aufwand bei der Verwaltung und Kontrolle der Beiträge. Aus diesem Grund nehmen viele Betreiber von dieser Möglichkeit Abschied und führen eine Pflicht zur Anmeldung und Registrierung ein. Bei schwindender Beliebtheit von Internetforen liegt in diesem Punkt dennoch ein Weg, gegen die Konkurrenz anzutreten. Die freiere Verfügbarkeit von Foren wäre eine Möglichkeit, warum Foren neben den anderen Sozialen Netzwerken überleben können.
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4. Gesichtslosigkeit von Foren

Bei Foren spielen Bilder und Profile der Nutzer eine weitaus geringere Rolle als in anderen Sozialen Netzwerken. Die meisten User haben ein kleines Foto als Avatar eingestellt. Darauf sind sie selbst in den wenigsten Fällen zu sehen. Hier dient das Bild nur der Wiedererkennung in den Beiträgen. Anders sieht es bei Facebook und auch bei Twitter aus. Hier sind die Fotos ein wesentlicher Bestandteil des Profils. Es gibt Nutzer, die diese Eigenschaft unangenehm finden. Ein Forum erlaubt in diesem Bereich eine größere Anonymität.

5. Mut zur eigenen Meinung

Viele User trauen sich eher in einem Forum, ihre eigene Meinung zu schreiben. Das liegt an der Anonymität und dabei auch daran, dass sie dort nicht unmittelbar mit ihren Freunden vernetzt sind. Sie können selbstbewusster auftreten und sich so darstellen, wie sie sich fühlen. Das gilt auch für den Austausch mit anderen.
Gerade bei heikleren und besonders persönlichen Themen werden Foren aufgesucht. Das gilt auch dann, wenn Rat gesucht wird, der die eigene Beziehung oder die eigenen Freundschaften betrifft.
Wer mit seinem Partner bei Facebook befreundet ist, hat keine oder nur sehr unsichere Möglichkeiten, dort um Rat bei Beziehungsproblemen zu fragen. In einem Forum geht das viel unkomplizierter.

6. Forum und Facebook-Gruppe

Wenn es um Foren geht, dann ist das, was diesen am nächsten kommt, die Facebook-Gruppe. Eine solche Gruppe kann von jedem User eröffnet werden und bezieht sich auf ein bestimmtes Thema – genau, wie bei einem Forum. Die Gruppen können geschlossen sein oder sogar unsichtbar, sodass die Aktivität dort nicht nach außen wirkt.
Eine Gruppe kann deshalb einige klassische Aufgaben eines Forums übernehmen. Dadurch nimmt deren Bedeutung ab. Auf der anderen Seite wirken die Gruppen relativ schmucklos. Die Nutzer sind an das festgelegte Design gebunden und können nur wenige eigene Elemente im Design einbringen. Bei einem Forum sieht das ganz anders aus. Wer entwickeln kann (oder entwickeln lässt), kann auf diverse Gestaltungsmöglichkeiten zugreifen.

7. Das Vorhandensein von Facebook-Kritikern

Ein weiteres Argument für die Zukunftschance von Foren ist, dass es Nutzer gibt, die andere Arten von Social Media ablehnen. Sie fühlen sich dort überwacht und lehnen eine mögliche Datensammlung ab. Foren allerdings nutzen sie aktiv und als Möglichkeit, ihre Meinung öffentlich zu vertreten. Wer mit ihnen diskutieren will, ist also gezwungen, den Weg des Forums einzuschlagen. Fairer Weise muss hier aber auch erwähnt werrden, dass der weitaus größere Teil (zumindest bei der größten Gruppe der internetuser) Foren eher meidet, als derer, die social media meiden).

8. Die Beschränktheit von Twitter

Twitter als solches ist nicht wirklich ein tauglicher Ersatz für ein Forum. Denn auch, wenn Twitter viele Möglichkeiten des Austauschs bietet – die Länge der Tweets ist beschränkt.
Wer gerne ausführlicher schreibt oder einfach mehr Worte zu einem Thema verlieren will, ist bei Twitter falsch.
Hier geht es um den schnellen Austausch von Nachrichten und Informationen, die sich über Twitter in rasender Geschwindigkeit verbreiten. In einem Forum geht es dann darum, über diese neuen Informationen zu diskutieren und sich darüber eine Meinung zu bilden.

9. Fazit

Letztendlich ist es für internetaffine Menschen auch keine Frage, ob Sie lieber Facebook oder ein Forum nutzen. Die meisten von ihnen tun beides – auch deshalb, weil sie ihre Meinung gern auf verschiedenen Kanälen verbreiten. Wer einen langen Post in einem Forum verfasst hat, wird sich freuen, seine leidenschaftlich vertretene Meinung auch an anderer Stelle zu verbreiten und dort um Zustimmung oder um andere Ansichten zu bitten. Deshalb ist zu erwarten, dass die verschiedenen Arten von Social Media weiterhin in friedlicher Koexistenz mit Foren erhalten bleiben werden.
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