Ausdrucksweise in Foren

Serie „Kommunikation im Forum“: 01 – Ausdruck und Sprache

Wer sich regelmäßig in den unterschiedlichsten Foren im Internet aufhält und mitliest oder gar schreibt, kann oft nur den Kopf schütteln über die mangelhafte Rechtschreibung und – oft damit einhergehend – die mangelhafte und teils sehr aggressive Ausdrucksweise. Auffällig ist auch, dass die Teilnehmer mitunter große Schwierigkeiten damit haben, bei einem Thema zu bleiben, eine Frage zu lesen, zu verstehen und sachlich zu beantworten. Mangelhafter Ausdruck und Themenabweichungen sind die Regel, nicht die Ausnahme.

In welchen Foren ist das am auffälligsten?

Das oben Gesagte zieht sich eigentlich durch Foren aller Art. Auch Teilnehmer von Foren, die ein gemeinsames Interesse vereint oder dies zumindest vermuten lassen, gehen sich mitunter massiv an und üben sich in unsachlichen Kommentaren. Besonders brisant ist es natürlich in Foren und Themensträngen (so genannten Threads), die von emotional brisanten Themen handeln. Dazu gehören etwa politische Themen, Fragen der Weltanschauung, Foren zum Thema Partnerschaft und Erziehung und vieles mehr. Erstaunlicherweise sind Streitigkeiten aber auch bei reinen Sachthemen, Hobbyforen, usw. an der Tagesordnung. Als Beobachter schaut man oft fassungslos zu, wie sich Menschen über sachliche und scheinbar belanglose Themen wie z.B. über ein Kochrezept virtuell die Köpfe einschlagen. Die Tendenz scheint steigend zu sein. Doch woran liegt das?

Foren als Spiegel der Gesellschaft

Für die meisten Menschen auf der Welt scheinen sich oft – medial geprägt –  die Lebensbedingungen zu verschlechtern. Der Platz wird knapper, die Jobs sind rar und oft schlecht bezahlt.

Die Anforderungen des Lebens (wenn nicht des Überlebens) nehmen zu – so die Warnehmung vieler Menschen. Gefühlt werden die Zukunftsperspektiven werden für die meisten Menschen auf der Welt immer schlechter.  Es ist günstiger, Fachkräfte aus dem Ausland zu holen, als selbst welche auszubilden. Während etliche der vorhandenen Fachkräfte in fachfremden (Hilfs-) Jobs arbeiten (müssen), weil sie dem immer wählerischer werdenden Arbeitsmarkt nicht gerecht werden können oder wollen. Damit wachsen auch Stress, Unzufriedenheit und Frust – auch bei denen, deren Lebenssituation faktisch sehr zufriedenstellend aussieht.

Foren und Kommentare auf sozialen Plattforem wie facebook, Twitter und Instagram scheinen mitunter die einzigen Möglichkeiten zu sein, dem angestauten Frust ein Ventil zu geben.

Je geringer die Ausdrucksfähigkeit, umso aggressiver fällt der Ausdruck aus. Dabei scheint die Anonymität immer weniger eine Rolle zu spielen, denn aggressive Äußerungen werden zunehmend über Facebook-Accounts getätigt, deren Profile mit Bild, Adresse und Umfeld freigegeben ist. So entwickeln sich Phänomäne wie der „Shitstorm“, bei dem meist ein Hashtag oder ein Kommentar eine Welle der Entrüstung auslöst und einen „digitaler Pranger“ kreiert. Das „Cyber-Mobbing“ war geboren.

Auf der Straße kann ein zunehmend aggressiver Ton und immer rücksichtslosere Verhaltensweisen beobachtet werden. Auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum, im Gegenteil. Schriftliche Äußerungen sind schließlich greifbarer als mündliche. Auch wenn das im Gefühl der Menschen anders aussehen mag.

Ein weiterer Faktor ist ganz schlicht und einfach, dass man sich im Internet – anders als noch im nicht-virtuellen Leben, fast ausschließlich duzt. Somit ist oft diese kleine Distanz zu einer anderen, fremden Person beseitigt. Umso leichter fallen den Teilnehmern weitere Distanzlosigkeiten.

Anja Reschke beschreibt in Ihrem Kommentar, wie das Internet, speziell Foren und soziale Netzwerke, Hasskommentare und Mobbing im Internet eine neue Dimension angenommen haben:

 

Sollte jedes Forum eine Netikette haben?

Eine Netikette gehört unbedingt zu einem Forum, damit es verbindliche Regeln gibt, die jeder Forenuser im Zweifel nachlesen kann und nach denen die Moderatoren des Forums konsequent diejenigen User verwarnen und ausschließen, die sich auffällig aggressiv verhalten.

Was gibt es für Forenbetreiber zu beachten?

Das bedeutet für einen Forenbetreiber, dass er unbedingt sachlich agierende Moderatoren einsetzen sollte. Moderatoren, die nicht unparteiisch sind, lassen ihren „Lieblingen“ oft zuviel durchgehen – auf Kosten der Forenkultur. Denn diejenigen Forennutzer, die sich sachlich austauschen wollen, werden so automatisch vertrieben und es bleiben nur noch die User übrig, die den Umgangston in einem Forum verschlechtern und kaum etwas Sinnvolles beitragen.

Wichtig ist, dass Moderatoren gegen diejenigen User vorgehen, die einen Angriff gestartet haben. Oft geschieht das nicht, so dass sich die angegriffenen User selbst verbal wehren müssen, wenn sie den Angriff nicht auf sich beruhen lassen wollen und schon gibt ein Wort das andere und die Diskussion (wenn man sie dann noch so nennen kann) gerät völlig aus dem Ruder. Kommt dann ein ahnungsloser (oder parteiischer) Moderator hinzu, verwarnt er oft die falschen. Das hat zur Folge, dass die Aggressoren übrigbleiben und weiterhin für eine Verschärfung des Umgangstons sorgen.
Die Lösung wäre, Beiträge konsequent aus einem Forum zu löschen, die ein Mindestmaß an Niveau, Lesbarkeit und Sachbezug vermissen lassen. Auch sehr kurze Beiträge wie z.B „LOL“ oder nur mit einem Smiley versehene Beiträge können einen Thread unnötig in die Länge ziehen und den Sachbezug verwässern. So ist das Klima oft in denjenigen Foren am angenehmsten, in denen Beiträge mit zu vielen Rechtschreibfehlern, mangelhafter Ausdrucksweise und mangelhaftem Themenbezug rigoros gelöscht werden.

Eine andere, durchaus humorvolle und mittlerweile viral gehypte Methode bedient sich die Onlineredaktion der „Welt“, die Ihre „Praktikannten“ mit teilweise sehr ironischen oder zweideutigen Kommentaren auf Kommentare Ihrer Facebookartikel antworten lassen: Sie defamieren den Kommentator durch Witz und Ironie ohne – und hier liegt vielleicht ein wichtiger Schritt – Kommentare zu löschen und damit dem Vorwurf der Zäsur zu verfallen.

Bildquelle: bigstock-ID-46866442-by-pashabo